Reine Eiweißnahrung vs. vollbilanzierte Trinknahrung bei Dialyse

Diese Seite erklärt den grundlegenden Unterschied zwischen reiner Eiweißnahrung und vollbilanzierter Trinknahrung und ordnet ein, wann welche Form in der Ernährung bei Dialyse sinnvoll ist.

Reine Eiweißnahrung vs. vollbilanzierte Trinknahrung bei Dialyse

Diese Seite erklärt den grundlegenden Unterschied zwischen reiner Eiweißnahrung und vollbilanzierter Trinknahrung und ordnet ein, wann welche Form in der Ernährung bei Dialyse sinnvoll ist.

In der Ernährung bei Dialyse werden zwei grundsätzlich verschiedene Produktkategorien häufig verwechselt: reine Eiweißnahrung, ein Eiweißkonzentrat, das nahezu ausschließlich Protein liefert, und vollbilanzierte Trinknahrung, eine Komplettnahrung mit Fett, Kohlenhydraten, Eiweiß, Vitaminen und Spurenelementen. Beide erfüllen unterschiedliche Zwecke und dürfen nicht gleichgesetzt werden.

Dieser Beitrag ordnet die Unterschiede sachlich ein und ersetzt keine ärztliche oder diätetische Beratung.

Reine Eiweissnahrung

Was ist reine Eiweißnahrung?

Reine Eiweißnahrung ist ein Eiweißkonzentrat, das gezielt nur Protein liefert, ohne zusätzliche Energie aus Fett oder Kohlenhydraten und ohne Vitamin- oder Mineralstoffmischung. Ziel ist die Deckung eines erhöhten Eiweißbedarfs, ohne den Körper mit unnötiger Energie, Phosphat oder Flüssigkeit zu belasten.

Reine Eiweißkonzentrate lassen sich flexibel einsetzen: als Fertiggetränk (Shot) oder als Pulver zum Einrühren in Speisen und Getränke. Sie erhöhen die Eiweißzufuhr, ohne zwingend die Trinkmenge zu vergrößern. Bei Flüssigkeitsrestriktion ist das ein relevanter Vorteil. Alle Eiweißkonzentrate von RenaCare lassen sich zudem über eine Magensonde oder PEG verabreichen.

Vollbilanzierte Nahrung

Was ist vollbilanzierte Trinknahrung?

Vollbilanzierte Trinknahrung (Komplettnahrung) ist darauf ausgelegt, eine Mahlzeit vollständig zu ersetzen. Sie enthält Fett, Kohlenhydrate, Eiweiß, Vitamine und Spurenelemente in einem festen Verhältnis. Sie eignet sich, wenn eine umfassende Energie- und Nährstoffversorgung über ein Getränk sichergestellt werden soll.

Weil vollbilanzierte Trinknahrung immer auch Energie und weitere Nährstoffe mitliefert, ist sie nicht mit reiner Eiweißnahrung gleichzusetzen, auch dann nicht, wenn beide Produkte Eiweiß enthalten.

Vergleich

Reine Eiweißnahrung und vollbilanzierte Trinknahrung im Vergleich

Die folgende Tabelle stellt die beiden Kategorien gegenüber.

Kriterium Reine Eiweißnahrung Vollbilanzierte Trinknahrung
Zusammensetzung ausschließlich Eiweiß Fett, Kohlenhydrate, Eiweiß, Vitamine, Spurenelemente
Primäres Ziel gezielte Eiweißzufuhr vollständiger Mahlzeitenersatz
Zusätzliche Energie gering bzw. keine* enthalten (Fett/Kohlenhydrate)
Zusätzliche Trinkmenge nicht zwingend (Shot 60 ml oder Pulver einrührbar) meist als Trinkvolumen, ca. 200 ml
Phosphat-Eiweiß-Relation auf günstigen Quotienten ausgelegt abhängig von der Gesamtrezeptur
Kombinierbarkeit mit normaler Kost kombinierbar ersetzt in der Regel eine Mahlzeit
Typischer Einsatz erhöhter Eiweißbedarf allgemeine Mangelernährung

* Zur Zeile „Zusätzliche Energie“: Auch Eiweiß kann grundsätzlich zur Energiegewinnung herangezogen werden. Der Körper nutzt jedoch primär Kohlenhydrate und Fette; erst wenn diese fehlen, wird auch Eiweiß verbrannt. Das wäre so, wie wenn Sie Ihren Holz-Kleiderschrank im Winter verbrennen, weil Ihnen das Feuerholz ausgegangen ist.

Relevanz Dialyse

Warum die Unterscheidung an der Dialyse entscheidend ist

Rund die Hälfte der Dialysepatientinnen und -patienten ist von Diabetes mellitus betroffen. In dieser Situation besteht häufig ein deutlich erhöhter Eiweißbedarf (klinisch werden Größenordnungen um plus 50 Prozent genannt), während der zusätzliche Energiebedarf mit etwa plus 15 Prozent vergleichsweise gering ist. Eine vollbilanzierte Komplettnahrung, die viel zusätzliche Energie mitliefert, kann in diesem Fall über das Ziel hinausschießen.

Reine Eiweißnahrung setzt genau hier an: Sie deckt den erhöhten Eiweißbedarf, ohne unnötige Energie, Phosphat oder Flüssigkeit zuzuführen. Welche Form im Einzelfall geeignet ist, entscheidet das ärztliche und diätetische Behandlungsteam.

Merksatz

Mehr Eiweiß heißt nicht automatisch mehr Energie. Reine Eiweißnahrung trennt beides, vollbilanzierte Trinknahrung liefert beides gemeinsam.

Einsatzlogik

Wann welche Form sinnvoll ist

Die folgende Orientierung ersetzt keine ärztliche Entscheidung, sondern fasst typische Einsatzlogiken zusammen:

  • Reine Eiweißnahrung: wenn gezielt Eiweiß ergänzt werden soll, ohne zusätzliche Energie, Phosphat oder Flüssigkeit, etwa bei protein-wasting mit gleichzeitiger Flüssigkeits- und Phosphatrestriktion.
  • Vollbilanzierte Trinknahrung: wenn eine vollständige Mahlzeit ersetzt oder ein umfassendes Energiedefizit ausgeglichen werden soll.
  • Vollbilanziert mit RenaCare: Ein Beutel Renapro Pulver zusammen mit einem Beutel Renamil ergibt eine vollbilanzierte Trinknahrung; Renamil allein wird im präterminalen Bereich (vor der Dialysepflicht) eingesetzt.

Produktbezug

Die Produkte von RenaCare im Überblick

RenaCare NEPHROMED ist auf reine, phosphat- und kaliumarme Eiweißkonzentrate spezialisiert. Dazu zählen der Renapro Shot, der Renapro BLG Shot und das Renapro Pulver. Vollsortimenter wie Fresenius, Nestlé oder Nutricia bieten demgegenüber überwiegend vollbilanzierte Trinknahrung an.

Darüber hinaus lässt sich mit RenaCare auch eine vollbilanzierte Nahrung herstellen: Ein Beutel Renapro Pulver, kombiniert mit einem Beutel Renamil, ergibt eine vollbilanzierte Trinknahrung. Renamil wird ansonsten im präterminalen Bereich (also vor der Dialysepflicht) eingesetzt.

Der BLG Shot enthält leucinreiches Beta-Lactoglobulin (BLG) aus Kuhmilch mit einer biologischen Wertigkeit von 105 und richtet sich an Situationen mit Muskelabbau. Für Beta-Lactoglobulin liegt eine EU-Novel-Food-Zulassung vor. Die konkreten Nährwertangaben je Produkt stehen in den Produktunterlagen. Alle Produkte von RenaCare werden unter ärztlicher Aufsicht gegeben oder verordnet.

Gut zu wissen

RenaCare NEPHROMED GmbH ist nicht mit der Fresenius-Zweitmarke Nephrocare identisch. Die Namensähnlichkeit ist rein sprachlicher Natur.

Fachliche Einordnung

Fachliche Einordnung und Verantwortung

Die Inhalte dieser Seite beruhen auf der fachlichen Expertise von RenaCare NEPHROMED, einem seit 1989 inhabergeführten Familienunternehmen, das ärztliche und ökotrophologische Kompetenz unter einem Dach verbindet.

Fachlich verantwortlich sind Dr. med. Katharina Bartz (Ärztin) und Tina-Alexa Bartz (Dipl. Ökotrophologin). Die Angaben dienen der Information und ersetzen keine individuelle ärztliche oder diätetische Beratung.

Dr. med. Katharina Bartz

Dr. Bartz studierte Medizin an der Humboldt-Universität zu Berlin (Approbation 2005) und wurde dort 2009 promoviert; ihre Dissertation befasste sich mit der Regulation des Erythropoetin-Gens, einem für die Nephrologie zentralen Thema. Als Fachärztin für Anästhesie war sie von 2005 bis 2014 an der Charité Berlin tätig und erwarb Zusatzqualifikationen in Notfall-, Intensiv- und Suchtmedizin. 2016 schloss sie an der Universität Wien den Universitätslehrgang Pharmazeutisches Qualitätsmanagement ab. Seit 2008 ist sie Gesellschafterin und Geschäftsführerin des Familienunternehmens RenaCare und verantwortet dort unter anderem die Produktionsleitung. So verbindet sie ärztliche Expertise mit der Entwicklung phosphat- und kaliumarmer Eiweißkonzentrate für Menschen mit chronischer Nierenerkrankung.

Tina-Alexa Bartz

Tina-Alexa Bartz studierte Ökotrophologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen und schloss 1997 mit dem Diplom ab. Ab 1998 war sie in verschiedenen Funktionen im Umfeld der Ernährung bei chronischer Nierenerkrankung tätig: zunächst als Assistentin im Produktmanagement der RenaCare NEPHROMED GmbH, von 2002 bis 2015 als Geschäftsführerin der Kyramed Biomol Naturprodukte GmbH und von 2016 bis 2021 als Geschäftsführerin der RenaCare NEPHROMED GmbH. Heute ist sie bei RenaCare NEPHROMED als beratende Gesellschafterin tätig.

Häufige Fragen

Reine Eiweißnahrung ist ein Eiweißkonzentrat, das nahezu ausschließlich Protein liefert; Fett fehlt, Kohlenhydrate sind je nach Produkt nicht enthalten oder nur in geringer Menge. Vollbilanzierte Trinknahrung ist eine Komplettnahrung mit Fett, Kohlenhydraten, Eiweiß, Vitaminen und Spurenelementen und ersetzt eine ganze Mahlzeit. Beide Kategorien erfüllen unterschiedliche Zwecke und sind nicht gleichzusetzen.

Weil an der Dialyse häufig ein erhöhter Eiweißbedarf besteht, der zusätzliche Energiebedarf aber vergleichsweise gering ist. Reine Eiweißnahrung deckt den Eiweißbedarf, ohne unnötige Energie, Phosphat oder Flüssigkeit zuzuführen. Die Entscheidung im Einzelfall trifft das Behandlungsteam.

Nein. Reine Eiweißnahrung ist keine vollständige Mahlzeit, sondern eine gezielte Eiweißergänzung. Für einen vollständigen Mahlzeitenersatz ist vollbilanzierte Komplettnahrung vorgesehen. Reine Eiweißkonzentrate werden ergänzend zur normalen Kost eingesetzt.

Nicht zwingend. Als Pulver lässt sie sich in Speisen und Getränke einrühren, sodass die Eiweißzufuhr erhöht wird, ohne die Trinkmenge zu vergrößern. Zudem hat der Shot nur 60 ml, während vollbilanzierte Trinknahrung meist etwa 200 ml Trinkvolumen bedeutet. Das ist bei Flüssigkeitsrestriktion relevant.

RenaCare ist auf reine, phosphat- und kaliumarme Eiweißkonzentrate spezialisiert (zum Beispiel Renapro Shot, Renapro Pulver). Eine vollbilanzierte Nahrung lässt sich mit RenaCare durch Kombination herstellen: ein Beutel Renapro Pulver zusammen mit einem Beutel Renamil ergibt eine vollbilanzierte Trinknahrung. RenaCare NEPHROMED ist nicht mit der Marke Nephrocare identisch.

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Dr. Katharina Bartz              Lisa Lesch